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Umgang mit der Trauer

Es hilft Trauernden und den Menschen in ihrem Umfeld sehr, wenn sie etwas von den zu erwartenden Reaktionen auf den Verlust eines geliebten Menschen wissen.

Phasen der Trauer

Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Mensch verschiedene Trauerphasen durchlebt. Er braucht sie, um seine Trauer auszuhalten. Unsere Erfahrungen bestätigen dies. Dabei reagiert jeder Trauernde anders auf einen Verlust, bewältigt einzelne Phasen unterschiedlich und benötigt andere Zeiträume. Männer lassen Trauer häufi g viel später zu, als Frauen. Sie stürzen sich oft schnell wieder in Arbeit und Beschäftigung, um mit den Ereignissen fertig zu werden. Starke Trauer bricht häufi g erst dann bei ihnen aus, wenn Frauen die Trauerarbeit bereits abgeschlossen haben. Das Wissen um die Trauerphasen ermöglicht uns, die Probleme und Schwierigkeiten zu erkennen, mit denen sich Trauernde auseinandersetzen müssen.

Phase des Schocks

Hier spürt der Trauernde einen unsagbaren körperlichen und seelischen Schmerz. Wie betäubt und gelähmt kommt er sich vor. Angehörige und Freunde haben das Gefühl, der Trauernde sei gar nicht mehr anwesend, sondern weit weg vom wirklichen Leben.

Phase der Kontrolle

Der Trauernde ist damit beschäftigt, alles zu regeln, was mit der Bestattung zusammenhängt. Er wird durch die Hilfe der Angehörigen und Freunde entlastet und erlebt dadurch eine „Schonzeit“.

Phase der Zurückführung in die Trauer (Regression)

In dieser Phase spielt sich die eigentliche Trauerarbeit ab. Denn in ihr muss der erlittene Verlust vom Trauernden verarbeitet werden. Die Bestattung liegt hinter ihm, die Besuche werden weniger, er ist wieder auf sich allein gestellt. Starke Emotionen befallen den Trauernden. Er meint unterzugehen durch den Verlust, den er erlitten hat. Gefühle der Hilfl osigkeit und Apathie stellen sich ein. Er neigt dazu, die Tatsache des erlittenen Verlustes des geliebten Menschen zu verdrängen. Der Trauernde lehnt sich gegen die Wirklichkeit auf und sucht nach dem Verstorbenen. Er glaubt, den Verstorbenen zu sehen, ihn zu hören, und spricht mit ihm.

Das Leben kommt dem Trauernden sinnlos und leer vor. Er fühlt sich „im Stich gelassen“ und einsam. Manchmal hat er das Gefühl, „verrückt“ zu werden. Dennoch zwingt er sich zu einem „normalen“ Verhalten aus Angst vor „Stigmatisierung“ und Ausgrenzung durch die Menschen seines Umfeldes. Hinzu kommt die Tabuisierung der Themen Trauer und Tod in der Gesellschaft. Der Trauernde spürt die Erwartung seiner Umgebung, endlich wieder „zur Tagesordnung“ überzugehen. Seine Gefühle und Entscheidungen sind widersprüchlich und zwiespältig. Seine Mitmenschen empfi nden in dieser Phase das Verhalten des Trauernden daher häufi g als launisch, undankbar, aggressiv, wehklagend und ungerecht. Weitere häufi g auftretende Trauersymptome sind: Atemprobleme, Kraft-, Appetit- und Schlafl osigkeit.

Phase der Anpassung

Hier findet die Trauer ihren Abschluss durch die soziale Wiedereingliederung des Trauernden, die er sich auch durch Mithilfe anderer erworben hat. Trotz allen Schmerzes entdeckt er, dass es ein Leben ohne den Verstorbenen geben kann und muss. Er findet neuen Anschluss, lernt andere Menschen kennen, erlebt in alten Freundschaften etwas Neues und findet einen neuen Anfang.


Was Trauernde und deren Mitmenschen beherzigen sollten

Trauen Sie Ihrer Trauer!

Lassen Sie Ihre Trauer mit allen Gefühlsschwankungen, Ängsten und Sorgen zu. Leben Sie nicht nach den Erwartungen anderer. Akzeptieren Sie Ihre widersprüchlichen Gefühle, die Sie häufi g überfallen und Sie manchmal auf andere eigenartig und unentschlossen wirken lassen.

Seien Sie mit sich barmherzig!

Verzweifl ung und Wut auf Menschen, Situationen, das Leben und Gott werden Sie begleiten. Haben Sie Geduld, verurteilen Sie sich nicht, sondern seien Sie barmherzig mit sich. Gestehen Sie sich ein, dass Sie in der Trauer unendlich unglücklich sind. Machen Sie sich keine Vorwürfe, sondern entdecken Sie in Ihrem Verlust das Einmalige, das Ihnen verloren gegangen ist. Geben Sie sich Zeit, mit dieser Situation fertig zu werden.

Trösten Sie sich!

Oft überkommen Sie Selbstzweifel und Schuldgefühle, nicht alles getan zu haben, was man hätte tun können. Dann seien Sie gut zu sich und denken Sie daran, was Sie dem Verstorbenen an Liebe gegeben haben, dass Sie keine Schuld am Tod des geliebten Menschen trifft. Wenn Sie Ärzten, Krankenschwestern, Bestattern oder Freunden Schuld am erlittenen Verlust zuweisen, machen Sie sich klar, dass diese Verhaltensweise für Sie eine Art der Schmerzlinderung ist, dass Sie sich gegen den Verlust nicht anders wehren können, als immer wieder die Schuldfrage zu stellen. Gehen Sie zu Menschen, denen Sie vertrauen. Haben Sie den Mut, sich begleiten zu lassen in Ihrer Trauer.

Leben Sie in Ihren Erinnerungen!

Suchen Sie nach Bildern der Erinnerung, die Ihnen bewusst machen, wie sehr Sie sich geliebt haben. Lassen Sie sich von diesen Bildern forttragen in eine Welt der erlebten Gemeinsamkeit und spüren Sie, was Sie benötigen, um wieder Trost zu fi nden. Haben Sie den Mut, Ihre Trauer ganz zu erleben. Weinen Sie, wenn Sie weinen möchten. Lachen Sie, wenn Ihnen zum Lachen zumute ist, und schweigen Sie, wenn Ihnen die Worte fehlen. Erzählen Sie anderen von Ihren Erinnerungen. Denn dadurch werden Sie durch die Trauer getragen. Versuchen Sie aber zu vermeiden, die Vergangenheit nur im Glanze erscheinen zu lassen. Denn dann verkehrt sich das Leben in eine Scheinwelt.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber mildert sie ab, wenn Sie sich genügend Zeit lassen zu trauern. Machen Sie sich selbst und anderen nichts vor. Erst wenn Sie die Trauer mit allen Gefühlsschwankungen, Enttäuschungen und Hoffnungen durchlitten und durchlebt haben, werden Sie die Narben spüren, die Trauer und Verlust hinterlassen. Aber die Wunde wird nicht mehr offen sein, und man wird Sie nicht mehr schutzlos antreffen.

Keine Angst vor der Trauer anderer!

Setzen Sie sich nicht unter Druck, wie Sie Ihre Anteilnahme am besten ausdrücken sollen. Zeigen Sie Ihr Mitgefühl ganz einfach durch symbolisches Handeln: Umarmung, Weinen, Blumen, Nachfragen, Helfen. Wechseln Sie nicht die Straßenseite und schließen Sie nicht die Tür, wenn eine betroffene Person an Ihrer Wohnung vorbeigeht. Ein liebevolles Nicken, eine echte Nachfrage hilft dem Trauernden und gibt ihm das Gefühl, nicht isoliert zu sein.

Hören Sie zu und lassen Sie dem Trauernden seine Trauer!

Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer. Haben Sie Geduld. Berichtigen Sie den Trauernden nicht, sondern fühlen Sie mit, auch wenn Ihnen manches unverständlich oder nicht nachvollziehbar erscheint. Trauer ist ein Ausnahmezustand. Ihre Erfahrungen und Kommentare sind für den Betroffenen selten hilfreich. Besserwisser und Experten sind hier fehl am Platz. Wenn Sie einem Trauernden einen Gefallen tun können, tun Sie es. Denn der Alltag macht dem Trauernden Kummer. Nehmen Sie ihm etwas ab, fühlt er sich verstanden.

Verzichten Sie auf Ausführungen oder Sätze wie z.B.: „Kopf hoch, es wird schon wieder!“, „Das Leben geht weiter!“, oder: „Niemandem wird etwas erspart!“ Diese Sprüche helfen dem Trauernden nicht. Sie dienen allenfalls Ihnen selbst. Entdecken Sie stattdessen Ihre Gabe, liebevoll und einfühlsam zu sein.

Haben Sie Geduld mit dem Trauernden!

Trauernde können schroff sein, ungastlich und unkontrolliert. Wenn der Trauernde Einladungen ausschlägt, undankbar gegen Gott und die Welt erscheint, nicht zuhören kann, dann vergeben Sie es ihm. Denn alles kreist um seinen Schmerz. Begegnen Sie dem Trauernden mit uneingeschränkter Geduld und lassen Sie ihm Zeit. Denken Sie daran, dass der trauernde Mensch nicht so schnell mit seiner Trauer fertig wird, wie viele meinen und es vielleicht auch erwarten. Denn die Zeit ist für den Trauernden kein fassbarer Begriff mehr. Er lebt in einem zeitlosen Raum, aus dem er nur langsam wieder ins Leben tritt. Lassen Sie ihm Zeit – und haben Sie für ihn Zeit.